Old People Dancing

Ui nei. Ü30. Montag Abend im Kaufleuten. Die Ausdruckstänzer geben alles. Denn um 24 Uhr müssen sie ins Bett. Sie sind nämlich nicht mehr die Jüngsten. Charlie* ist ein graubärtiger Partytiger, der seine Tanzsporen wohl noch im Flamingo abverdiente. Seine knallengen 501’s (1992), gepaart mit dem weissen, knallengen T-Shirt und schwarzen Hosenträgern, fallen in einem Meer von dunklen Jeans und Hemden auf. Der House/Funk/Soul (ca. 1995) wummert, Lisa* tänzelt sich mit lustigen Cha-Cha-Cha-Schritten an ihn ran. „Ist meine Figur nicht immer noch der Knaller?“ scheint sie ihm mit ihren Blicken zu sagen. Charlie bestätigt anerkennungsvoll mit einem tiefen Hip-Shake Richtung Boden.

Oops, sollte er vielleicht lieber nicht tun – er kommt nur noch unelegant wieder hoch. Der DJ lässt Michael Jackson los. Lisa* kreischt, zum grossen Amüsement der weiteren Partygäste. Leopold*, der bis anhin bloss von einem Bein aufs andere gegroovt ist, lässt sich dazu mitreissen, die Hände zu MJ in die Luft zu stemmen. Hinter ihm sitzt Rolf* auf einem der grossen, bequemen Sessel. Rolf schläft. Ohne Scheiss.

Das Schönste an diesem Szenario an der Mezza Notte im Kaufleuten sind aber die vier jungen Frauen, die sich auf die Dancefloor gedrückt haben und in ihren unbequemen Heels, Baggy Pants und Blazern alles geben. Steffi zmitzt drin. Und kann einerseits nicht fassen, dass sie an einer solchen AHV-Veranstaltung teilnimmt, an einem Montag Abend, wohlbemerkt. Und findet alle abgehalfterten Partytiger der 90ger total peinlich. Ist aber auch ein bisschen neidisch, dass sie sich so total gehen lassen können, so zmitzt im Kaufleuten (das übrigens total nach Skisocken stinkt, jetzt wo man nicht mehr rauchen darf).

Und es passiert nicht so oft, dass Steffi sich mit bald 37 Jahren als „junge Frau“ bezeichnet, aber hier trifft das total zu. Sie ist sowas wie die KV-Lehrtochter im Familienbetrieb. Klar, dass der Seltsamste des Abends – ein rund 50jähriger Tamile in Anzugshose, T-Shirt mit dem Schriftzug „Party Club 1984“ in die Hose gesteckt – ihr beim Tanzen irgend etwas zubrüllt, das sie nicht versteht und auch nicht verstehen will. Plötzlich lichtet es sich auf der Tanzfläche: Es ist Mitternacht. Die Partygänger müssen nach Hause, denn so mit 50 kann man da nicht bis in die Puppen tanzen, die Arbeit ruft.

Der DJ spielt weiter, für die paar mutigen Singles, die verzweifelt Ausschau halten nach DOCH noch einer Person, die sie anbaggern könnten. Es riecht nach Skisocken. Steffi fühlt sich jung. Und rennt ganz schnell raus, noch bevor Detlef*, der sich klever direkt beim Ausgang positioniert hat, um die letzten weiblichen Partybesucher abscannen zu können, sich einen doofen Spruch überlegen kann. „Play That Funky Music, White Boy“!

Next time gibts wieder ultra-hipster-Party mit 20jährigen. So zum Ausgleich. Dafür mit AVH-Ausdruckstanz, das wär doch was!

*Sämtliche Namen erfunden. Falls sie zufällig doch stimmen sollten: Sorry!

Author: steffi

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