Der Weihnachtsessen-Knigge

Du. Dein Boss. Und Erwin von der Buchhaldung. An einem Tisch in einem schlechten Restaurant, irgendwo in Gockhausen oder Opfikon, weil in der Stadt alle Restaurants schon ausgebucht waren. Natürlich auch wegen Firmen-Weihnachtsessen, aber die anderen Chefs waren schneller, cooler und weniger knauserig als Deiner. Das alljährliche Zwangs-Gelage, das fast jede Firma ihren Mitarbeitern aufzwingt, ist kein Grund zu feiern. Sondern vielmehr ein Anlass, an dem sämtliche Verhaltensregeln des vergangenen Jahres über Bord geworfen werden können. Und du endlich die Gelegenheit hast, so zu sein, wie du wirklich bist. Du glaubst mir nicht? Halte dich einfach an den 10-Punkte-Plan und auch dein Weihnachtsessen wird endlich.mal.richtig.toll!

Regel 1: Billiges Outfit tragen

Auch wenn du solchen Läden sonst wie die Pest meidest: Das perfekte Weihnachtsessen-Outfit wartet auf dich, bei Tally Weijl oder New Yorker oder Chiccoree. Es muss billig sein, glitzerig sein und nach Möglichkeit zu kurz und/oder zu eng. Für Männer gilt: Schlechter Anzug mit billiger Crawatte. Denn ohne das passende, „heute-ist-alles-möglich-guck-mich-doch-nur-mal-an!“-Tenü werden Ausfälligkeiten deutlich schwieriger.

Regel 2: Vergiss Mineralwasser!

Alkohol ist heute abend nicht nur dein Freund, sondern dein Retter. Und nur Betrunkene haben die inoffizielle Erlaubnis, sich am Weihnachtsessen daneben zu benehmen (siehe Regeln 4-8). Falls es dir zu schnell schlecht wird, kannst du immer noch aufs WC, heimlich Wasser trinken.

Regel 3: Nicht durcheinandersaufen

Ja, du willst – und musst dich sogar – ein bisschen abschiessen. Aber auch wenn es gratis ist und auch wenn der Kellner seinen überteuerten Weisswein loswerden will: Setzte von Anfang an auf einen Drink deiner Wahl und bleibe dabei. Und die Antwort von der Bar „Das ist aber nicht inbegriffen“ ist nur Show. Bestehe auf Cuba Libre!

Regel 4: Sitzordnung aufmischen

Nichts ist langweiliger als den ganzen Abend neben Bettina aus der Spedition an einem Tisch gefangen zu sein – bloss, weil ihr beide das Vegi-Fondue-Chinoise bestellt habt. Nach jedem Gang den Sitzplatz wechseln, und sich notfalls mit Ellenbogen zwischen zwei Kollegen reinzwängen. Denn sonst kommt es nie zu:

Regel 5: Das Büro-Inzest-Spiel spielen

Spätestens nach dem Hauptgang musst du alle dazu zwingen, zwei Namen zu nennen: „Wer von der Firma ist ein Arschloch?“ und natürlich „Mit wem von der Firma würdest du Sex haben“. Wichtig zu wissen, falls du noch nüchtern genug bist: Beide Namen werden selbstverständlich in den darauffolgenden Tagen in der Kaffeepause zum Büro-Allgemeinwissen, also wähle deine Kandidaten gut. Bestenfalls wirst du eine Affäre haben. Schlechtestenfalls eine Faust kassieren. Beides ist gut gegen Arbeitswelt-Langeweile!

Regel 6: Den Chef zum Tanzen auffordern

Es ist völlig egal, zu welchem Sound. Auch, wenn gar kein Sound lauft: Der Chef wird nicht nein sagen können, und es ist zwar peinlich für dich… aber für ihn noch ein tausendfaches mehr. Ganz wichtig: Dafür sorgen, dass mindestens drei Leute filmen und am Tag darauf auf YouTube stellen können.

Regel 7: Dem ältesten Mitarbeiter das „Du“ aufzwingen

Es gibt sie noch, die Vorpensionierten, die man „Herr Müller“ nennt, und nicht „Hampi“. Das Weihnachtsessen ist der perfekte Ort, um ihnen diese letzte, kleine Portion Macht zu nehmen. Nach einer (auf seiner Seite) schlaflosen Nacht kannst du immer noch am nächsten Morgen wieder „Herr Müller“ sagen und so tun, als hättest du vergessen, dass er mit dir Duzis machen musste.

Regel 8: Die Bonus-Lüge

Zwischen Dessert und Tanzeinlage mit dem Chef (Regel 6) fragst du die grösste Klatschdrossel der Firma, ob sie ihren „Advents-Bonus“ auch schon verbraten habe – du hättest dir damit grad einen Mini Cooper gekauft. Wichtig: Es gab keinen Advents-Bonus.

Regel 9: Die Nach-Hause-Geher quälen

Spätestens um 23 Uhr ist Feierabend für die langweiligen Mitarbeiter. Sie werden versuchen, sich dezent aus dem Staub zu machen, aber das darfst du ihnen nicht durchgehen lassen. Jeder Abgang muss lauthals kommentiert werden mit einem „De Marco staat au grad uuf. Gönder ZÄME ZU IHM? Oooooh!“.

Regel 10: What Happens at the Weihnachtsessen NEVER Stays at the Weihnachtsessen

Egal, in welcher Verfassung und mit/bei wem du am Morgen danach erwachst, denke daran: Die ganze Firma weiss genau, was passiert ist. Und auch wenn du erstaunlich nüchtern und in deinem eigenen Bett erwachst, musst du für guten Büroklatsch sorgen und im Outfit von gestern Nacht arbeiten gehen. Damit es das nächste Jahr beim Weihnachtsessen von Anfang an was zu Grölen gibt, bevor die Bar endlich aufgemacht wird.

In diesem Sinne: Happy Büro-Christmas!

Author: steffi

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